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Versprechen



Wann, an wen und wofür haben Sie ihr letztes Versprechen abgegeben? Jeden Tag aufs Neue geben wir Versprechen: Endlich das wild wuchernde Unkraut zu entfernen, das kaputte Spielzeug zu reparieren, den Freund anzurufen, den man schon so lange nicht mehr gesprochen hat, mal wieder selbst Pizza zu backen, ... Ich könnte die Liste beliebig fortsetzen. Wir alle kennen die kleinen alltäglichen Versprechen. Ob wir sie alle halten oder nicht – das ist meistens nicht von existenzieller Bedeutung. Ganz anders sieht es mit den großen Versprechen aus: Eheversprechen, einem Eid oder einem Vertrag (auch eine Art Versprechen). Ob ich diese Versprechen halte oder nicht, das hat weitreichendere Folgen, als wenn es statt Pizza doch nur Nudeln mit Tomatensoße gibt.
Neulich waren mein Mann und ich auf einer katholischen Hochzeit zu Gast. Mich hat das ausführliche, scheinbar alles umfassende und bedingungslose Eheversprechen beeindruckt. Darin geht es um Annahme, Treue, Wertschätzung – in guten UND in schlechten Zeiten, in Gesundheit UND Krankheit. Welch großer Moment am Anfang einer (hoffentlich) langen Ehe! Es macht ehrfürchtig: Ein großes Versprechen – ein bedingungsloses JA vor Gott, der Gemeinde, Verwandten und Freunden auszusprechen.
Versprechen sind manchmal leicht gemacht. Die eigentliche Arbeit damit haben wir später, in dunklen Zeiten, in denen wir erst begreifen, welche Dimensionen unser Versprechen hat, wenn wir uns kraftlos fühlen, uns ungerecht behandelt fühlen, uns vernachlässigt oder so gar nicht wertgeschätzt fühlen. Nach menschlichem Ermessen ist die Einhaltung eines großen Versprechens (fast) nicht möglich.
Doch wir sind nicht allein in unseren menschlichen Unzulänglichkeiten – wir haben einen uns liebenden, wertschätzenden, treuen und starken Gott an unserer Seite, der uns Liebe schenkt, uns als etwas Kostbares ansieht, uns nicht fallen lässt und uns Kraft und Halt gibt – bedingungslos, nicht an Vorleistungen unsererseits gebunden.
Ich wünsche uns, dass wir uns das bewusstmachen, wenn wir das nächste Mal ein feierliches Versprechen – wann auch immer dies sein wird, was auch immer es sein wird, an wen auch immer es gerichtet wird – aussprechen. Wir haben in Jesus, einen starken Freund, der uns dabei hilft, Versprechen zu geben und zu halten. Er macht es uns schließlich vor und sagt JA zu uns – er geht in Vorleistung.

Herzliche Grüße
Dorothea Sehrer