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Der Weg hinauf


Liebe Leserinnen und Leser,

wenn der Frühling kommt, wirkt er wie ein Magnet. Er zieht viele hinaus. In den Garten, zum Spazierengehen und manch einen auch schon auf die ersten Berggipfel oder Anhöhen. Dorthin, wo die Sicht gut ist. Dorthin, wo es gut tut. Diese Frühlingstage sind mit Aufbrüchen verbunden.
Auch mit einem Aufbruch auf einen Berg, bei dem erst einmal nichts nach Frühling aussah. ER hatte auf seinem Weg keinen Blick für die schönen Blumen. Für Jesus wird es die schwerste Tour, als er „hinauf nach Jerusalem“ geht. In die Stadt auf dem Berg, auf die noch heute die Welt schaut. Die Tour ist nicht nur schwer, weil Jesus bergauf muss. Nicht nur, weil er dann dort sein Holzkreuz auch noch selbst tragen muss. Nein – viel schwerer ist es, den Hass der Menschen zu ertragen. Das Mobbing. Und die Verleugnung seiner Freunde. Die menschlichen Schwächen. Das Böse im Menschen. Und noch schwerer ist es, als er am Kreuz feststellend fragt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“. Die Abwesenheit Gottes.
Jesus hatte unzählige Möglichkeiten, diese so zermürbende Bergwanderung abzubrechen und aufzugeben. Warum soll er sich das antun? Es wäre nicht schwer gewesen, dort nicht hinzugehen.
Warum macht er es dennoch? Warum geht er, obwohl er weiß, was passiert? Weil es für Jesus noch viel schwerer gewesen wäre, dabei zuzuschauen, wie alles, was ihm auf dem Weg begegnet, die Oberhand behält. Jesus weiß, dass unsere Welt den Frühling braucht, dass wir ihn brauchen. Den göttlichen Frühling. Jesus ist gestorben für unsere Sünden, wird der Apostel Paulus später schreiben. An diesem verrückten Ort, Jerusalem, richtet Gott das Böse. Im Tod seines Sohnes. Er selbst trägt alles. Steht für uns ein. Damit die Welt auf den Schultern von Jesus los werden und abladen kann, was sie von Gott trennt. Damit wir abladen und neu anfangen – mit Gott, uns selbst und anderen Menschen.
Das ist das Geheimnis des Glaubens. Das Großartige des Glaubens. Und das ist der Weg in den Frühling. Den Frühling, den Gott nach drei Tagen werden lässt.
Der Frühling, der zeigt, dass oben in Jerusalem wirklich das Leben den Tod besiegt hat.

In herzlicher Verbundenheit
Ihr/Euer Pfarrer Christian Heurich